

Der akute und der chronische Schmerz
Was ist eigentlich Schmerz?
Schmerz ist das Symptom, welches die meisten Patienten zum Arzt führt. Eine Expertenkommision (International Association for the Study of Pain, IASP) hat den Schmerz folgendermaßen definiert:
"Schmerz" ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird"
Dabei ist der Schmerz ein vielschichtiges
Phänomen, das von körperlichen, seelischen und sozialen Bedingungen
beeinflusst wird. Jeder weiß, dass es verschiedene Arten von
Schmerz en gibt: Eine Gallenkolik z.B. mit typischerweise
krampfartigem Schmerz, ein pochender, heller Zahn schmerz oder der
zermürbende Tumor schmerz. Auch psychischer Schmerz, wie beim
Verlust eines geliebten Menschen oder auch Heimweh zeigen, wie
unterschiedlich der Schmerz sein kann. Beeinflussung kann
zusätzlich über die vorliegenden Umweltbedingungen erfolgen: wenn
man z.B. gerade in einer sehr angespannten, gestressten Verfassung
ist, wird ein Schmerz sicher anders empfunden als
in einer ausgeruhten und entspannten Phase z.B. nach einem
erholsamen Urlaub.
Eine wichtige Unterscheidung besteht in der Abgrenzung zwischen akutem und chronischem Schmerz.
Akuter Schmerz
Der akute Schmerz als Ausdruck einer Gewebeschädigung des Körpers durch eine Verletzung oder eine andere Erkrankung erfüllt eine wichtige Alarmfunktion: er soll uns auf eine Störung aufmerksam machen und uns die Möglichkeit geben, diese Störung zu beseitigen. Wird der Auslöser des Schmerz es (z.B. der vereiterte Zahn) erfolgreich behandelt, klingt auch der Schmerz nach kurzer Zeit wieder ab. Der akute Schmerz wird über spezielle Sensoren im Gewebe, sogenannten Nozirezeptoren, wahrgenommen und von hieraus über Nervenbahnen zum Rückenmark und weiter in das Gehirn zur zentralen Verarbeitung geleitet. Man unterscheidet im Wesentlichen 3 Typen von Nozirezeptoren :
1. Sensoren, die auf stärkere mechanische, chemische oder thermische Reize reagieren, finden sich vor allem in Haut- ,Muskel- und Knochengewebe. Sie leiten den Schmerz reiz über langsam leitende Nervenbahnen (so genannte C-Fasern) weiter, die Schmerz empfindung ist dumpf, länger anhaltend und meist diffuser im Gewebe und nicht scharf lokalisiert.
2. Sensoren, die entweder auf starken Druck oder starke Hitze (> 45°) bzw. Kälte (< 5°) ansprechen und über schnell leitende Nervenbahnen (so genannte A-delta Fasern) zum Gehirn führen. Sie verursachen einen hohen, schnell wahrnehmbaren meist gut zu lokalisierenden Schmerz. Meist werden bei einer Verletzung sowohl die "schnellen" als auch die "langsamen" Rezeptoren gereizt, was oft in einem zunächst schnellem hohen, gefolgt von einem dumpfen, länger anhaltendem Schmerz, zu spüren ist.
3. Sensoren an inneren Organen, die auf Entzündungen reagieren.
Bei der Erregung und Weiterleitung der Schmerz impulse spielen Botenstoffe (sogenannte Neurotransmitter) eine wichtige Rolle. Dabei können die Nozirezeptoren durch bestimmte körpereigene Substanzen oder auch durch Medikamente beeinflusst werden. Erregungsfördernden Substanzen wie z.B. Serotonin, Histamin, Bradykinin, Prostaglandinen und Substanz P stehen erregungsdämpfende Stoffe wie Opioide, GABA und Noradrenalin gegenüber. Wie stark diese Substanzen wirken zeigen Beispiele: so empfinden Schwerverletzte oft zunächst keinen Schmerz, da durch den Unfallschock sofort hohe Dosen von Endorphinen (das sind körpereigene Opioide) ausgeschüttet werden. Erst wenn der Körper zur Ruhe kommt und die Endorphinausschüttung nachlässt, tritt der Schmerz auf. Auch das "Glücksgefühl", das viele Marathonläufer trotz der körperlichen Strapazen und erst schmerz enden Gliedern am Ende des Laufes erleben, ist auf die körpereigenen Opioide zurückzuführen. Diese Körperreaktionen haben durchaus ihren Sinn: Menschen sollen sich im Falle eines Angriffs noch wehren bzw. fliehen können.
Durch wiederholte oder andauernde Auslösung der Nozireptoren
kommt es zu einer
Schmerz verstärkung: Die Schwelle, bei der der Schmerz sensor
ausgelöst wird, wird stetig gesenkt, so dass es bereits bei
niedrigeren Stimuli zu einer Schmerz empfindung kommt. Man spricht
dann von einer "Sensibilisierung". Beispiel: im
schmerz haften Hautbereich löst bereits eine leichte Berührung
Schmerz aus.
Weiterleitung von Schmerz
Die Weiterleitung eines Schmerz reizes erfolgt über spezielle Nervenfasern zum Rückenmark. Hier erfolgt bereits eine erste Verarbeitung der Reize: es werden z.B. Reflexe ausgelöst, die uns ohne Beteiligung des Gehirn in die Lage versetzen, rasch zu reagieren. Wenn wir versehentlich einen Elektrozaun mit der Hand berühren, wird sie durch einen Schutzreflex - ohne dass wir darüber nachdenken müssen - blitzartig zurückgezogen.
Die über den Vorderseitenstrang (eine wichtige Leitungsbahn im Rückenmark) weitergeleiteten Impulse werden in verschiedenen Zentren unseres Gehirns weiterverarbeitet. Dabei ist ein feines Zusammenspiel zwischen der Großhirnrinde, dem limbischen System (funktionelles System zwischen Hinrstamm und Hirnrinde) und dem Thalamus (Koordinationssystem im Zwischenhirn) erforderlich. Hier wird der Schmerz von seiner Lokalisation her geortet und mit bestimmten Gefühlseindrücken versehen. Dabei spielen die bereits gemachten Schmerz erfahrungen des jeweiligen Menschen und seine psychische Verfassung eine wesentliche Rolle. Dadurch erhält der Schmerz seine "Gefühlstönung" und wird damit zu einer individuellen subjektiven Empfindung.
Chronischer Schmerz
Langanhaltender, dauernder Schmerz bezeichnet man als chronischen Schmerz. Die Experten gehen davon aus, dass Schmerz, die länger als 3 (bis 6) Monate anhalten, in eine Chronifizierung übergehen. Man unterscheidet dabei Schmerz, dem eine Organschädigung zugrunde liegt (wie z. B. eine rheumatische Gelenkentzündung oder eine Krebserkrankung), vom chronischen Schmerz, bei denen die auslösende Ursache längst abgeklungen ist oder eventuell auch nie eine organische Störung erkennbar war.
In diesen Fällen ist der Schmerz nicht mehr nur ein Symptom, sondern wird selbst zur Krankheit.
Er hat damit seine wesentliche Funktion als Warnzeichen und Auslöser eines Schutzreflexes verloren. Die Entwicklung beim chronischen Schmerz scheint wesentlich davon abzuhängen, welche früheren Schmerz erfahrungen der Betroffene gemacht hat. Man spricht deshalb von einem „Schmerz gedächtnis". Die Nervenzellen sind demnach in der Lage, bei wiederkehrenden Schmerz impulsen ihre Reaktionsbereitschaft zu steigern, so dass bereits geringe äußere Reize zum Schmerz auslöser werden können. Damit erklärt sich, dass chronische Schmerz - Patienten starke Schmerz en erleben ohne erkennbare äußere Ursache. Allerdings lassen sich biochemische und auch feingewebliche Veränderungen im Aufbau der Nervenzellen durchaus nachweisen. Häufig sind sie so ausgeprägt, dass auch Schmerz - Medikamente nur geringen Effekt haben.
Möglichkeiten der Therapie bei chronischem Schmerz
Deshalb ist es notwendig, die im Schmerz gedächtnis gespeicherten Informationen wieder zu „löschen" bzw. wieder zu verlernen. Ein Prozess, bei dem psychologische Verfahren unverzichtbar sind und auch eine gehörige Portion Geduld vonnöten ist, denn: auch "Verlernen" braucht seine Zeit und wiederholtes üben!
Das bedeutet:
Akuter Schmerz sollte gezielt und ausreichend auch mit Schmerz – Medikamenten behandelt werden, um eine Chronifizierung zu verhindern.
Bei bereits eingetretenem chronifiziertem Schmerz müssen meist alle Register der Schmerz – Therapie genutzt werden. Dazu gehören Medikamente, die auf verschiedener Ebene der Schmerz - Wahrnehmung und der Schmerz - Verarbeitung eingreifen, ebenso viele Verfahren der physikalischen Therapie inklusive der Krankengymnastik und psychologische Behandlungskonzepte. Diese und andere spezielle Schmerz – Therapien finden auch in der Wicker-Klinik Anwendung bei akutem und chronischem Schmerz des Bewegungsapparates.
Diese Strategie wird von unserer Klinik verfolgt: Sollten Sie Interesse haben mit uns an den oben genannten Zielen auch im Rahmen anderer Erkrankungen und Behinderungen zu arbeiten, könnte die Behandlung und Arbeit in unserer Klinik angegangen werden.Zugangswege zur Rehabilitationsbehandlung über folgende Kostenträger
· Gesetzliche Krankenversicherung,
· Rentenversicherung,
· Private Krankenkassen
übernehmen die Kosten für eine Behandlung im Hause.
Vor Aufnahme im Hause muss im Regelfall eine Kostenübernahmeerklärung des Kostenträgers vorliegen. Die Kostenübernahme muss vom Patienten beim zuständigen Kostenträger beantragt werden. Hierbei sind die niedergelassenen ärztlichen Kollegen (Hausarzt, Internist , Orthopäde, Psychologe, Neurologe), die die ambulante Betreuung gewährleistet haben, mit einzubinden.
Ihr Team der Wicker Klinik / Wirbelsäulenklinik Bad Homburg
Ihr Team der Wicker Klinik Bad Homburg
Chefarzt-Sekretariat der Inneren Medizin
Frau Kublick
Telefon 06172 103-347
Fax 06172 103-377
E-Mail kublick@wickerklinik.de

Chefarzt Herr Dr. Lehmann-Leo
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Aktualisiert am 18.08.2011