

Rehabilitation bei Erkrankten mit Fibromyalgie
Fibromyalgie ist ein quälendes, häufig spät erkanntes Weichteilrheumatisches Schmerzsyndrom mit erheblichen sozialmedizinischen Konsequenzen.
Die Fibromyalgie ist eine häufige Erkrankung mit einer realistisch geschätzten Prävalenz (= Häufigkeit aller Fälle einer bestimmten Krankheit in einer Population) von 3 %. In der Regel werden häufiger Frauen von dieser Schmerzerkrankung (Fibromyalgie) betroffen. Die Fibromyalgie ist nicht eindeutig durch eine körperliche Untersuchung oder apparative Diagnostik allein fassbar, sondern regelhaft eine Ausschlussdiagnose, was in der gutachterlichen Tätigkeit erhebliche Probleme schafft.
Andere weichteilrheumatische Erkrankungen wie Schleimbeutelentzündungen, Weichteilverkalkungen, Engpaßsyndrome, regionale myofasziale Schmerzsyndrome, chronische Rückenschmerzen lassen sich in der Regel gut abgrenzen.
Die bei dieser Erkrankung gegebene Kombination von
chronischen diffusen Weichteilschmerzen ( "alles tut weh" ),
unauffälligen Laborwerten,
positiven identifizierbaren sog. tender points ( Weichteildruckpunkten an definierten Lokalisationen -meist im Sehnenansatzbereich ),
Schlafstörungen als im EEG ( Hirnströme) nachweisbarer Störung des Schlafrhytmus,
vegetativer Labilität und Störbarkeit (funktionelle Magen-Darm Störungen, Kopfschmerzen, funktionelles Raynaud-Syndrom etc. ),
chronischen muskulären Verspannungen,
Trainingsmangel,
körperlich und mental belastender Arbeitsumgebung ( z.B. PC-Arbeit ),
depressiver reaktiver Grundstimmung,
unerholtem morgendlichen Erwachen mit Ausprägung von Tagesmüdigkeit
ist diagnoseleitend.
Rehabilitation-Fibromyalgie - Diagnostik
Die Differentialdiagnose der Fibromyalgie ist komplex, weil sehr sorgfältig entzündlich-rheumatische und andere nicht entzündliche Gelenk - und Weichteilerkrankungen ausgeschlossen werden müssen. In der Regel findet nach Aufsuchen des Hausarztes eine regelrechte Facharzt - Odyssee statt, die ärztliche Kollegen und Patienten gleichermaßen frustrieren.
Auch wenn die Ursachen für die Beschwerden nur im Ansatz bisher als geklärt bezeichnet werden können und auch wenn leider bei der abklärenden Untersuchung kaum etwas "anfaßbar" ( außer den tender points ), fühlbar, defizitär messbar ist, hilft es dem Patienten wenig, wenn er - zunehmend enttäuscht vom "schulmedizinischen" Betrieb - gesagt bekommt, er "habe ja nichts" bzw. "es sei nichts festzustellen".
Wer nur beobachtet, wie schmerzgequält und steif die Patienten auf die Untersuchungsliege "krabbeln", kommt nicht umhin ein "funktionelles Schmerzsyndrom" am Bewegungssystem mit Beteiligung des Muskel-Bindegewebssystems zu diagnostizieren. (Fibromyalgie)
Von anderer Seite wird eingewandt, es handele sich bei der Fibromyalgie um eine psychosomatische Störung bzw. eine somatisierte Verarbeitungsstörung.
De fakto ist gegeben, dass zunächst der Hausarzt, Orthopäde, Neurologe und dann erst vielleicht der Rheumatologe aufgesucht bzw. zu ihm überwiesen wird. Auf diesem Weg hat sich der Patient soweit chronifiziert in seiner somatischen Krankheitsorientierung auf Weichteile und Gelenke und in seinem Misstrauen fixiert, man würde ihn ohnehin nur als Simulanten betrachten, dass ein primärer psychosomatischer oder gesprächstherapeutischer Ansatz sehr häufig nicht mehr angenommen werden kann, sofern er überhaupt dem Arzt indiziert erscheint. Hier bei der primären Psychosomatik zu verharren, hieße nichts zu tun.
In der Regel bleibt die somatische Orientierung beim Patienten so lange erhalten, bis der Patient wirklich Vertrauen gefasst und das Gefühl verloren hat, man wolle ihn ja doch nur als lästigen Patienten weiter komplimentieren. Hierzu gehört eine sorgfältige dem Patienten verdeutlichte und erklärte rheumatologische Differential- und Ausschlussdiagnostik. Meistens wird erst danach verstanden, dass Schlafstörungen, Schmerzschwellen, vegetative Labilität, sozialer Rückzug "auch" etwas mit der psychischen Konstitution zu tun haben.
Rehabilitation-Fibromyalgie
Häufig kann in der chronifizierten Phase nach vielen verzettelt - frustranen, ambulanten Therapieansätzen eine stationäre rehabilitative Komplextherapie bei der Fibromyalgie zu Fortschritten bei der Schmerz und Lebensbewältigung ( Arbeits-, Privatleben) führen.
Dieser komplexe Therapieprozess muss bei der Fibromyalgie folgende Elemente abbilden:
1. Milde Bewegungstherapie (Terraintraining, Einzel und
Gruppentherapie evt. milde medizinische
Trainings -therapie, Tanzgruppen, mildes
Aerobic),
2. Physikalische Therapie mit detonisierenden, muskulär und
vegetativ entspannenden
Komponenten,
3. Entspannungstraining,
4. Schmerzbewältigung
5. Medikamentöse schmerzdistanzierende (z.t. auch
antidepressive) Therapie mit
schlafregulierender Zielsetzung,
6. Behandlung muskulärer und statischer Defizite
7. Praktische Begleitung bei Alltagsbelastungen und in Berufserprobungen.
Aus sozialmedizinischer Sicht hat sich bei ausgeprägter chronifizierter Schmerzsymptomatik der Rückzug auf Teilzeittätigkeit als vorteilhaft erwiesen. Die Hoffnung auf Besserung nach Frühberentung oder in einer Periode der Zeitrente ist im Regelfall nicht realistisch. Die Wiedereingliederung in das Berufsleben bei Fibromyalgie nach längeren Arbeitsunfähigkeitszeiten kann nur gelingen, wenn folgende Erfahrungen bei der beruflichen Wiedereingliederung berücksichtigt werden :
Sollte es richtig sein, dass z.B. in Norwegen die Erwerbsunfähigkeit- bzw. Frühberentungsstatistik von der Fibromyalgie angeführt wird, so beleuchtet dies einerseits Diagnosegewohnheiten in unterschiedlichen europäischen Regionen, aber auch die Notwendigkeit sich mehr noch als bisher von ärztlicher und Kostenträgerseite um die Schnelligkeit und Präzision von Diagnose und Therapie zu bemühen. Einseitige und monomodale Diagnose- und Therapieansätze werden nicht zum Erfolg führen. Bei ambulantem Therapieversagen sollte relativ schnell ein Heilverfahren in einer qualifizierten Klinik angestrebt werden.
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Ihr Team der Wicker Klinik / Wirbelsäulenklinik Bad Homburg
Chefarzt-Sekretariat der Inneren Medizin
Frau Kublick
Telefon 06172 103-347
Fax 06172 103-377
E-Mail kublick@wickerklinik.de

Chefarzt Herr Dr. Lehmann-Leo
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Aktualisiert am 18.08.2011