

Behandlung bei rheumatischen Krankheiten
Was ist Cortison?
Cortison ist ein körpereigenes Hormon. Gebildet wird es in einer Drüse, in der Rinde der Nebenniere, welche beidseits oberhalb der Nieren sitzt. Sie produzieren täglich ca. 20 Milligramm Cortison, welches über den Blutkreislauf im Körper verteilt wird. Die Cortisonausschüttung unterliegt dabei einem typischen Tagesrhythmus: die größte Menge wird morgens zwischen 6 und 8 Uhr ausgeschüttet, auch am Nachmittag wird noch einmal etwas mehr (allerdings nicht soviel wie morgens) produziert, während abends und nachts der Spiegel deutlich niedriger liegt.
Was bewirkt Cortison?
Ohne Cortison sind wir nicht lebensfähig. Bei einem Mangel kommt
es zu Abmagerung, Muskelschwäche, Unterzuckerung, fehlende
Belastbarkeit bis Schockzustand (so genannte Addison`sche
Krankheit). Der hohe Cortison spiegel am Morgen bringt den Körper
in Zusammenarbeit mit anderen aktivierenden Hormonen wie z.B. dem
Adrenalin "auf Trab". Cortison ist somit auch ein "Stresshormon",
welches unseren Körper befähigt, in Belastungs- oder
Stresssituationen kontrolliert reagieren zu können. Wie schon bei
der tageszeitlichen Rhythmik sorgt auch hier ein körpereigener
Regelkreis dafür, dass immer genügend Cortison zur Verfügung steht.
Das bedeutet: bei geringeren Belastungen kommt es zu kurzfristig
höheren
Cortison ausschüttungen, bei stärkeren Belastungen zu länger
anhaltenden höheren Cortison - Ausschüttungen.
Cortison wirkt gegen Entzündungen und Schwellungen, gegen starke Schleimbildung in den Bronchien und antiallergisch.
Warum Cortison als Medikament?
Auch als Medikament zugeführtes Cortison hat diese Wirkungen. Wenn die körpereigene Menge an Cortison nicht ausreicht, z.B. bei der Addison`schen Krankheit, muss der Mangel damit ausgeglichen werden. Bei Erkrankungen, bei denen nicht-infektiöse Entzündungen eine Rolle spielen, z.B. Asthma, Hautallergien, chronische Darmentzündungen wie M. Crohn oder Colitis ulcerosa, und auch Gelenkentzündungen wie der chronischen Polyarthritis wird Cortison eingesetzt, weil hier die körpereigene Produktion nicht ausreicht. Cortison heilt zwar nicht die Ursache einer rheumatischen Erkrankung, aber es wirkt stärker entzündungshemmend als jedes andere Medikament.
Dadurch werden auch allgemeine Beschwerden wie die morgendliche Steifigkeit der Gelenke, die Müdigkeit und auch die Entzündungswerte im Blut gebessert.
Wie wird Cortison verabreicht?
Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen: als Tabletten und Spritzenpräparate oder in Salben/Cremeform oder als Augen-/Nasentropfen und Sprays.
Letztere werden natürlich nur bei Hauterkrankungen z.B. Allergie oder bei Schuppenflechte (Psoriasis) verwendet. In der Rheumatherapie kommen Tabletten und Spritzen zum Einsatz.
Dabei gilt die Devise:
Soviel Cortison wie nötig, aber sowenig wie möglich !
Die Art und Schwere der Krankheit bestimmen die Darreichungsform. Wenn der Wirkstoff nur an einer Stelle z.B. an einem entzündeten Gelenk wirken soll, ist eine Injektion in das Gelenk sinnvoller, als Tabletten einzunehmen, bei denen sich der Wirkstoff im ganzen Körper verteilt. Wenn allerdings die Krankheit an mehreren Stellen mit Entzündungen aktiv ist, muss meist auch im ganzen Körper (systemisch) mit Cortison entzündungshemmend behandelt werden.
Die optimale Dosis ist für jeden Patienten verschieden. Sie soll die Krankheitssymptome unter Kontrolle halten und den Patienten möglichst wenig belasten. Dabei wird meist anfangs eine höhere Dosis verabreicht, die dann innerhalb von Tagen bis Wochen rasch reduziert wird, um auf eine so genannte Erhaltungsdosis zu kommen, die meist zwischen 5 bis 10 mg am Tag beträgt ("low - dose" Therapie). Um diese optimale Dosis zu finden, ist eine enge Absprache mit dem behandelnden Arzt erforderlich.
Am besten vertragen wird das Cortison, wenn man die Tabletteneinnahme dem körpereigenen Rhythmus anpasst, d.h. wenn möglichst die gesamte Dosis morgens vor 8 Uhr eingenommen wird. Der körpereigene Cortison-Rhythmus wird dadurch am wenigsten gestört.
In der Rheumatherapie wird oft eine kurze "Stoßtherapie" durchgeführt: beginnend mit meist 20 mg pro Tag wird das Cortison alle 4-7 Tage um 2,5 - 5 mg reduziert bis man auf die o.g. Erhaltungsdosis kommt, gelegentlich dann ganz auf Cortison verzichten kann.
Welche Nebenwirkungen sind bei Cortison möglich?
Cortison ist ja ein Stresshormon. Bei länger dauernder höherer Cortisontherapie (meist mehr als 7,5 bis 10 mg Prednisolon), kann die körpereigene Cortisonproduktion nachlassen, die Nebenniere "verkümmert". In Stresssituationen (z.B. einer Operation) braucht der cortisonpflichtige Patient eine höhere Cortisondosis. Deshalb ist es nach länger dauernder Cortisonbehandlung erforderlich, niemals abrupt das Cortison abzusetzen! Es muss immer langsam durch stufenweise Dosisverminderung "aus geschlichen" werden. Dann kann sich die Nebenniere langsam erholen und die Produktion körpereigenen Cortisons wieder aufnehmen.
Besonders bei länger dauernder Behandlung insbesondere mit höheren Cortisondosen besteht die Gefahr der Entstehung oder Verstärkung einer Osteoporose (s. auch unsere Artikel zum Thema Osteoporose), da Cortison zu einer Abnahme des Mineralgehaltes des Knochens führt. Die Gefahr von Knochenbrüchen steigt.
Cortison greift in den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel ein. Es kann daher zu vermehrter Fettspeicherung insbesondere am Rumpf kommen, der Appetit wird gesteigert. Das führt zu Gewichtszunahme, eventuell Blutdrucksteigerung und Blutzuckererhöhung. In Zusammenhang mit der gleichzeitigen Einnahme von "Rheumaschmerzmitteln" (sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika z.B. Diclofenac und Ähnlichem) können verstärkt Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre entstehen.
Wie kann man selbst Nebenwirkungen vorbeugen?
Regelmäßige Kontrollbesuche bei Ihrem behandelnden Arzt sind erforderlich. Er wird u.a. einfache Labortests durchführen (z. B. den Blutzuckerspiegel prüfen) den Blutdruck messen etc. Bei Cortison dauerbehandlung sollte alle 3 - 6 Monate eine Augenarztuntersuchung auf grünen und grauen Star hin erfolgen. Eventuell wird auch eine Bestimmung der Knochendichte empfohlen.
Zur Vorbeugung einer Osteoporose sollte die Nahrung genügend Calcium (mindestens 1000 mg täglich, s. Text "Ernährung bei Osteoporose") und Vitamin D enthalten. Wichtig ist auch regelmäßige Bewegung. Lesen Sie bitte auch unsere Veröffentlichungen zur Osteoporose, Rückenschmerzen, Richtige Ernährung, richtige Einnahme von Medikamenten etc.
Sie sollten Ihr Gewicht regelmäßig kontrollieren (mindestens 1 x pro Woche), falls eine Bluthochdruckerkrankung besteht, auch selbst den Blutdruck kontrollieren.
Als aktiver Patient können Sie durch Eigeninitiative und regelmäßige Kontrollen unerwünschten Wirkungen vorbeugen. Das Wicker-Klinik Team unterstützt Sie gerne dabei.
Sollte Ihnen dieser Überblick Geschmack auf mehr gemacht haben, packen Sie es an und vereinbaren über die unten aufgezeigten Zugangswege zu unserer Klinik einen Aufnahmetermin.
Zugangswege zur Rehabilitationsbehandlung über folgende Kostenträger
· Gesetzliche Krankenversicherung,
· Rentenversicherung ,
· Private Krankenkassen
übernehmen die Kosten für eine Behandlung im Hause.
Vor Aufnahme im Hause muss im Regelfall eine Kostenübernahmeerklärung des Kostenträgers vorliegen. Die Kostenübernahme muss vom Patienten beim zuständigen Kostenträger beantragt werden. Hierbei sind die niedergelassenen ärztlichen Kollegen (Hausarzt, Internist, Orthopäde) die ambulante Betreuung gewährleistet haben mit einzubinden.
Ihr Team der Wicker Klinik / Wirbelsäulenklinik Bad Homburg
Chefarzt-Sekretariat der Inneren Medizin
Frau Kublick
Telefon 06172 103-347
Fax 06172 103-377
E-Mail kublick@wickerklinik.de

Chefarzt Herr Dr. Lehmann-Leo
© 1997- Wicker-Gruppe |
Seite empfehlen |
Seitenübersicht |
Artikelübersicht |
Suche |
Aktualisiert am 18.08.2011